ZDF und MSN/Microsoft: Die Zusammenarbeit in den neunziger Jahren
Es war 2013, als die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel davon sprach, dass das Internet noch Neuland sei. Das sorgte schon damals für Gelächter und Hohn. Das mag damals vielleicht für einige ältere Menschen und ZDF-Zuschauer gegolten haben, aber tatsächlich waren die meisten schon mit dem Internet vertraut. Dabei hat auch das ZDF schon früh erste Schritte in die digitale Welt gewagt und das an der Seite von Microsoft.
Mitte der neunziger Jahre wurde das Microsoft Network (MSN) ins Leben gerufen, das heute zumindest noch als Webseite existiert. Geplant war ein globales Webportal, das Anwendungen und Informationsdienste bündelt und sogar wichtiger als das eigentliche Internet werden sollte. Daraus wurde allerdings nichts. Doch schon in den frühen Tagen des MSN kam es zu einer Zusammenarbeit mit dem ZDF, an die sich heute wohl viele nicht mehr erinnern können. Mehr dazu gibt es in diesem Artikel zu erfahren.
Die großen MSN-Pläne
1994 stellte Bill Gates das Microsoft Network vor und prophezeite, dass es in Zukunft die Haupteinnahmequelle des Unternehmens werden würde. Es sollte direkt in 35 Ländern mit 20 Sprachen starten. Zur damaligen Zeit steckte das World Wide Web noch in den Kinderschuhen und MSN sollte nicht Teil des Internets sein, sondern ein eigenes, in sich geschlossenes System. Ähnliche Konzepte gab es auch von Compuserve und AOL. Tatsächlich hatte Bill Gates das Internet stark unterschätzt. Offensichtlich auch die Marktforscher von Microsoft, die hohe Marktanteile sahen, da das MSN direkt mit Windows 95 verbunden war. Doch dazu kam es nicht und auch mit Kritik wurde damals nicht gespart.
1996 kam es schließlich auch in Deutschland zum Start, wobei es Zusammenarbeiten mit EUnet und der Deutschen Telekom gab, um sich in das Netzwerk einwählen zu können. Das war mit Kosten verbunden. Das Standard-Abo wurde für 12 DM angeboten, womit man das MSN zwei Stunden nutzen konnte. Wer direkt das Jahresabo buchen wollte, wurde mit 499 DM zur Kasse gebeten. Es kam dann sogar zu Kartellermittlungen, da die Verknüpfung von Windows, MSN und dem Internet Explorer als eine Gefahr eingestuft wurde. Letztendlich überlebte das Microsoft Netzwerk diese Zeit nicht, unter anderem auch aufgrund des Browserkriegs, der zwischen dem Internet Explorer und dem Netscape Navigator stattfand.
Partnerschaft mit dem ZDF
Die großen Ankündigungen von Bill Gates scheinen damals Früchte getragen zu haben, zumindest wenn es um Zusammenarbeiten geht. In Deutschland wurde eine Partnerschaft mit dem ZDF eingegangen, die damals ZDF.MSNBC genannt wurde. Das war ein interessanter Schritt für das 1963 gegründete Zweite Deutsche Fernsehen, das in den vielen Jahren danach oft die Entwicklungen im Internet verpasste. Ein erster Schwerpunkt war die Berichterstattung für Olympia, außerdem folgte noch das aktuelle Sportstudio. Mit an Bord waren die bekannten Gesichter Dieter Kürten für den Sport und Hera Lind für das Thema Lifestyle. Sie sollten dabei helfen, das Angebot bekannter zu machen.
Später wurde sogar eine Online-Redaktion ins Leben gerufen, der 19 Journalisten angehörten. Das geschah auf der damaligen Internationalen Funkausstellung in Berlin. Damit wollte sich das ZDF die Vormachtstellung bei den Online-Nachrichten sichern. Doch schon damals wurde diese Kooperation kritisiert. Kritiker sahen das MSN als ein geschlossenes System, das letztendlich nur Microsoft und somit Bill Gates nützen würde. Dass ein Sender der deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt da mitmacht, wurde entsprechend kritisch betrachtet. Doch letztendlich wurden die großen Pläne kaum in die Realität umgesetzt, denn schon 1997 wurden die deutschen Inhalte eingestellt. Es folgte dann die Abschaltung der Einwahlknoten im nächsten Jahr. Damit war das Microsoft Network in dieser Art Geschichte.
Das Microsoft Netzwerk heute
Was eigentlich eine eigenständige Alternative zum Internet werden sollte, ist heute nur noch eine Webseite. Das Webportal von Microsoft führt dabei Informationen und Anwendungen zusammen und ist mit rund 800 Millionen Nutzern weltweit eine der meistaufgerufenen Websites der Welt. Kurz gesagt bietet die Seite Informationen und andere Inhalte an.

Dabei wird auch immer häufiger künstliche Intelligenz eingesetzt, um die Inhalte zu ordnen. Auf der MSN-Webseite lassen sich Nachrichten finden, Inhalte zu Sport und Finanzen, außerdem das Wetter und ein Link zu Microsoft Shopping. Zudem gibt es Links zu OneDrive, dem Store von Microsoft und anderen Anwendungen. Mit einer Anmeldung kann man sich den Dienst personalisieren.
Fazit zu ZDF und Microsoft

