Der Name einer Schule verpflichtet zu einem gewissen Selbstbild, das in diesem Fall die Liebigschule in Frankfurt am Main stolz und mit großem Eifer vertritt. Hier sollen Schüler aktiv lernen und Vielfalt als etwas Positives verstehen. Bereits seit Mitte der neunziger Jahre ist sie eine Europaschule und fördert damit eine demokratische Kultur und interkulturelle Kompetenzen. Besonders im Vordergrund stehen die typischen MINT-Fächer, aber auch Sport und Sprachen.
Eine Besonderheit der Liebigschule besteht darin, dass man das Franko-Deutsche Abitur machen und somit schon ab der 5. Klasse Französisch als 1. Fremdsprache wählen kann. Andere Fächer werden bilingual angeboten. Die Schule genießt ein gutes Renommee, hat eine hervorragende Ausstattung und ist Teil eines umfangreichen Europaschul-Netzwerkes. Die ausführliche Vorstellung der Schule gibt es in diesem Artikel.
Das Profil der Liebigschule
Schule hat sich schon immer gewandelt und war ein Spiegelbild ihrer Zeit und Gesellschaften. Die Liebigschule versteht sich daher als eine moderne Schule mit Blick auf die Freiheit und Selbstverantwortung der Schüler. Seit letztem Jahr gilt daher das Dalton-Konzept, das die Rolle der Lehrer zu Lernbegleitern verändert und in dem Schüler große Freiheiten haben, im eigenen Tempo und Rhythmus den Stoff anzugehen.
Diesen Weg gehen immer mehr Schulen in Deutschland, so auch das Gymnasium mit Ganztagsangebot, das in Frankfurt-Praunheim liegt und mehr als 1.000 Schüler beherbergt. Sie ist eine zertifizierte hessische Europa- und Umweltschule und legt daher sehr viel Wert auf Interkulturalität. Derzeitiger Schulleiter ist Rolf Oechsler.
Über 100 Jahre Geschichte
Wenn man an die Ursprünge der Liebigschule gehen möchte, muss man sogar noch einige Jahre weiter zurück als die eigentliche Gründung gehen. 1855 wurde die Städtische höhere Bürgerschule für Knaben und Mädchen in der Stadt Bockenheim gegründet, die damals noch eigenständig gewesen war. 22 Jahre später wurde die Schule dann in eine Höhere Töchterschule und eine Realschule für Knaben umgewandelt. Nach der Eingemeindung von Bockenheim 1895 erfolgte schließlich 1913 die Umwandlung in die Liebigschule, wobei Justus von Liebig als Namenspatron fungierte. Das ging einher mit einem Neubau, doch nach dem Zweiten Weltkrieg musste erneut ein neues Gebäude gebaut werden, womit der finale Standort in der Kollwitzstraße etabliert wurde.
Die Idee der Europaschule
Durch die Kooperation mit der benachbarten Victor Hugo Schule begann die Geschichte der Europaschule. Unter anderem durch die Einführung von Französisch als erste Fremdsprache. Heute ist die Liebigschule eine zertifizierte Europaschule in Hessen und wird dementsprechend vom Land gefördert. Das Konzept basiert auf 5 Säulen, die im Schulalltag eingebunden werden. Dazu gehört die Förderung einer demokratischen Kultur. Dafür gibt es Menschenrechtswochen, eine aktive Schülervertretung und auch Fahrten zu Gedenkstätten. Außerdem wird interkulturelle Kompetenz gelebt und gelehrt. Konkret zeigt sich das in Europawochen, Austauschprogrammen, Fahrten nach England oder Valencia und auch in Paten- und Streitschlichterprogrammen.
Nachhaltigkeit ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt für die Idee einer Europaschule. Mit ihrem integrierten Umweltschulprofil im Sinne der UN-Agenda 2030 gilt die Liebigschule auch als Umweltschule. Eine moderne Ausrichtung ist ein wichtiger Bestandteil für das Gymnasium. Daher scheut man sich auch nicht vor innovativen Lern- und Lebensräumen. Das zeigt sich unter anderem am Dalton-Konzept, das seit dem letzten Schuljahr eingeführt wurde. Auch Lernwerkstätten für Hauptfächer und Deutsch-Lernzeiten zeugen von modernen Ansätzen. Ferner ist das Netzwerken ein essentieller Teil der europäischen Ausrichtungen. Die Liebigschule ist daher Mitglied im Europaschulnetzwerk Rhein-Main.
Die Fachbereiche
Der Unterricht des Gymnasiums teilt sich in drei Fachbereiche und Sport ein. Der erste Fachbereich umfasst die Fächer Musik, Kunst, Darstellendes Spiel und alle Sprachen, also Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Latein. Im zweiten Fachbereich sind die Fächer Ethik und Religion, Politik und Wirtschaft sowie Geographie und Geschichte zu Hause. Die MINT-Fächer sind im dritten Fachbereich untergebracht – also Informatik, Physik, Chemie, Biologie und Mathematik. Sport nimmt einen eigenen Bereich ein und die Schule zeichnete sich schon immer durch ein starkes Sportprofil aus. Das liegt auch an der guten Ausstattung der Schule, wenn auch das Schwimmbad derzeit schon seit einigen Jahren renovierungsbedürftig nicht genutzt werden kann.
Wer war Justus von Liebig?
Benannt wurde die Schule nach Justus von Liebig, der von 1803 bis 1873 lebte und als einer der bedeutendsten Chemiker und Universitätsprofessoren aus Deutschland gilt. Er stammte aus einer Drogistenfamilie aus Darmstadt, brach später aber seine Apothekerlehre ab. In Paris ging er aber als Stipendiat und Autodidakt weiter einen wissenschaftlichen Weg. Schon mit 21 Jahren arbeitete er in Gießen als Professor und baute dort das modernste Chemie-Labor seiner Zeit auf. Später ging er an die Universität München und wurde dann sogar Leiter der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Liebig gilt als Gründer der organischen Chemie als exakte Wissenschaft. Auch hat er den Stoff Chloroform entdeckt.
Liebig hat immer ausgezeichnet, dass er einen methodischen Pioniergeist gezeigt hat. Er hat viel für die Wissenschaftskommunikation getan und gezeigt, wie wichtig die praktische Chemie für die Menschheit sein kann. Vor Liebig galt Chemie als eine Buchwissenschaft, die also theoretisch durchgeführt wird. Durch systematisches Experimentieren konnte er die Chemie auf ein neues Level heben. Sein Laboratorium in Gießen sollte dafür der Dreh- und Angelpunkt werden. Auch mit Blick auf die Agrochemie konnte Liebig wichtige Erkenntnisse gewinnen und formulierte das Minimumgesetz, wonach das schwächste Element das Gesamtwachstum bestimmt. Liebig gelang der Brückenschlag zwischen der Grundlagenforschung und der Anwendung im Alltag.
Die Hessischen Europaschulen
1992 hat Hessen ein Schulentwicklungsprogramm gegründet, um moderne Bildung zu fördern und dabei ein europäisches Profil zu schärfen. Bis heute ist dadurch ein Netzwerk von 33 Schulen entstanden, die im Kern die gemeinsame offene europäische Ausrichtung haben. Dazu gehören sowohl allgemein- als auch berufsbildende Schulen, aber auch Studienseminare für berufliche Bildung. Alleine in Frankfurt sind mehrere Schulen dieser Art zu finden. Neben der Liebigschule sind das noch die Ziehenschule, die Berkersheimer Grundschule und die Textorschule. Weitere Schulen des Netzwerkes sind die Max-Eyth-Schule in Alsfeld, die Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda, die Anne-Frank-Schule in Eschwege und die Kopernikusschule in Freigericht. Eine vollständige Übersicht gibt es auf der Webseite des Hessischen Kultusministeriums.
Fazit zur Liebigschule in Frankfurt am Main




