Rund 2.630 Euro erstattete eine Plattform im Februar 2026 einer Familie. Der 14 Jahre alte Sohn hatte das Geld zuvor in Roblox ausgegeben, ohne dass die Eltern davon wussten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband nennt diesen Fall in einer Kampagne vom Mai 2026. Damit sammelt der Verband Erfahrungsberichte betroffener Familien. Außerdem fordert er ein Verbot von Lootboxen in Spielen für Minderjährige. Erstattungen dieser Größenordnung kommen häufiger vor, weil Verträge von Kindern und Jugendlichen ohne elterliche Genehmigung schwebend unwirksam bleiben. Eltern können solche Käufe daher rückabwickeln lassen und das Geld zurückfordern.
Die Praxis sieht trotzdem oft anders aus. Anbieter verweisen auf den Taschengeldparagrafen, auf ihre Nutzungsbedingungen oder auf den Umstand, dass der Account einem Erwachsenen gehört. Banken lehnen Rückbuchungen mit Blick auf abgelaufene Fristen ab. Viele Eltern bemerken die Abbuchungen erst Wochen später auf der Kreditkartenabrechnung, dann ist die Frist oft schon verstrichen. Familien, die schnell und schriftlich reagieren, haben die besseren Karten. Im ungünstigen Fall bleiben nur acht Wochen bis zum Ablauf der Rückbuchungsfrist bei der eigenen Bank. Danach hilft meist nur noch die direkte Forderung gegen den Anbieter.
Warum der Taschengeldparagraf bei In-Game-Käufen selten greift
Paragraf 110 BGB erlaubt einem Kind ab sieben Jahren ein Geschäft ohne Zustimmung der Eltern. Voraussetzung ist, dass es die vertragsmäßige Leistung mit eigenen Mitteln bewirkt. Diese Mittel müssen die Eltern dem Kind zur freien Verfügung oder für genau diesen Zweck überlassen haben. Der Kauf muss vollständig aus diesem Geld bezahlt und damit abgeschlossen sein. Ein Zehnjähriger, der von seinem Taschengeld eine Guthabenkarte für fünf Euro kauft und einlöst, bewegt sich in diesem Rahmen. Die Vorschrift verlangt eine bereits bewirkte Zahlung aus eigenen Mitteln.
In-Game-Käufe laufen meist anders ab. Kinder bezahlen über die im Account hinterlegte Kreditkarte, über eine Lastschrift vom Elternkonto oder über die Mobilfunkrechnung. Damit fließt fremdes Geld, und die Belastung erscheint häufig erst nachträglich auf der Abrechnung. Geld, das für Schulsachen oder Kleidung gedacht war, zählt ebenfalls nicht als frei überlassenes Taschengeld. Auch die Summe wirkt sich aus. Ein einzelner Kauf über zwei Euro lässt sich anders bewerten als vierzig Käufe an einem Wochenende. Diese Käufe ergeben zusammen einen dreistelligen Betrag und fallen bei der Prüfung stärker ins Gewicht.
Schwebende Unwirksamkeit und die verweigerte Genehmigung
Kinder unter sieben Jahren sind geschäftsunfähig, ihre Käufe sind von vornherein nichtig. Zwischen sieben und achtzehn Jahren gilt die beschränkte Geschäftsfähigkeit nach Paragraf 107 BGB. Ein Kaufvertrag bringt dem Minderjährigen nicht nur einen rechtlichen Vorteil, weil er eine Zahlungspflicht begründet. Ohne vorherige Einwilligung der Eltern hängt die Wirksamkeit des Vertrags von ihrer nachträglichen Genehmigung ab. Diesen Zustand bezeichnet Paragraf 108 BGB als schwebende Unwirksamkeit, und er endet erst mit der Entscheidung der Eltern.
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Kind kauft
Vertrag bringt Zahlungspflicht – nicht nur Vorteil. Schwebend unwirksam.
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Schwebezustand
Zeitlich unbegrenzt – bis die Eltern entscheiden oder der Anbieter auffordert.
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Verweigerung
Vertrag endgültig unwirksam, Geld zurück über § 812 BGB.
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Eltern müssen die Genehmigung ausdrücklich verweigern, am besten in Textform per E-Mail, mit Datum, Accountnamen, Kaufliste und Geburtsdatum des Kindes. Fordert der Anbieter die Eltern zur Erklärung auf, beginnt eine Frist von zwei Wochen ab Zugang dieser Aufforderung. Schweigen die Eltern bis zum Ablauf dieser Frist, gilt die Genehmigung als verweigert. Das bereits gezahlte Geld fordern die Eltern über das Bereicherungsrecht nach Paragraf 812 BGB zurück. Einen Schadensersatzanspruch gegen die Familie hat das Unternehmen in diesen Fällen nicht.
Rückforderung gegenüber Plattform und Store
Der erste Weg führt über das Konto, in dem die Käufe gelandet sind. Apple, Google, Sony, Microsoft, Nintendo und Valve haben eigene Erstattungsformulare, die Bearbeitung dauert meist einige Tage. Viele Fälle enden dort mit einer Kulanzerstattung, ohne dass die Rechtslage überhaupt geprüft wird. Lehnt der Store ab, richtet sich die Forderung gegen den Spielehersteller oder gegen die Plattform. Dabei gilt, dass sich beide Seiten regelmäßig auf die Rolle des reinen Vermittlers berufen und die Zuständigkeit abwehren. Der Anspruch der Eltern verschwindet durch diese Argumentation nicht.
Das 14-tägige Widerrufsrecht hilft bei virtueller Währung kaum. Nach Paragraf 356 Absatz 5 BGB erlischt es in zwei Schritten. Der Käufer stimmt der sofortigen Ausführung zu und bestätigt den Verlust des Widerrufsrechts, damit ist das Recht verbraucht. Das Minderjährigenrecht bleibt davon unberührt und trägt den Fall allein. Die Verbraucherzentralen stellen passende Musterbriefe bereit. Hat der Anbieter über die Mobilfunkrechnung abgerechnet, widersprechen Eltern der Rechnung beim Telefonanbieter und richten eine Drittanbietersperre ein. Bleibt der Anbieter bei seiner Weigerung, nimmt die Bundesnetzagentur Beschwerden entgegen und prüft den Fall.
Fristen für die Rückbuchung bei Lastschrift und Kreditkarte
Bei einer SEPA-Lastschrift mit gültigem Mandat können Kontoinhaber die Rückbuchung verlangen. Dafür bleiben acht Wochen ab dem Belastungstag, einen Grund müssen sie dabei nicht nennen. Die Bank muss das Geld zurückbuchen, üblich sind wenige Geschäftstage. Fehlt ein Mandat, greift die Frist von 13 Monaten für nicht autorisierte Zahlungen. In diesem Fall muss der Kontoinhaber darlegen, dass er keine Ermächtigung erteilt hat, und die Bank prüft diese Angaben. Beide Fristen laufen ab dem Tag der Belastung, nicht ab dem Tag, an dem die Eltern die Abbuchung entdecken.
| SEPA-Lastschrift gültiges Mandat |
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| Kreditkarte Chargeback Visa/Mastercard |
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| Nicht autorisiert ohne Mandat, § 676b BGB |
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Bei der Kreditkarte läuft die Reklamation über das Chargeback-Verfahren der Kartennetzwerke. Dieses Fenster ist enger als die gesetzliche Anzeigefrist von 13 Monaten aus Paragraf 676b BGB. Bei Visa und Mastercard schließt es üblicherweise 120 Tage nach der Buchung. Danach nimmt die Bank einen Antrag auf Rückbuchung nicht mehr an. Eine Rückbuchung beendet den Streit über die Forderung nicht. Das liegt daran, dass der Anbieter den Account sperren oder den Betrag erneut geltend machen kann. Die schriftliche Verweigerung der Genehmigung gehört daher in jedem Fall dazu, auch nach einer erfolgreichen Rückbuchung.
Die Beweisfrage, wer den Kauf ausgelöst hat
Anbieter argumentieren regelmäßig mit dem Accountinhaber. Steht dort ein Elternteil, gilt der Kauf aus ihrer Sicht als autorisiert, und der Schutz für Minderjährige läuft ins Leere. Familien müssen dann darlegen, dass tatsächlich das Kind gespielt und gekauft hat. Hilfreich sind Kaufzeitpunkte während der Arbeitszeit der Eltern sowie die Zuordnung von Gerät und Spielstand. Dazu kommt der Nachweis, dass das Kind das Passwort kannte oder eine gespeicherte Zahlungsmethode nutzen konnte. Falsche Angaben schaden dem eigenen Fall erheblich.
Belege sichern Eltern am besten sofort, also Kontoauszüge, Bestellbestätigungen, die Kaufhistorie im Store und Screenshots des Spielerprofils. Ein eigener Account des Kindes mit korrektem Geburtsdatum stärkt die Position, weil der Anbieter das Alter des Nutzers damit kannte. Ein Restrisiko bleibt, denn Gerichte prüfen auch eine Verletzung der Aufsichtspflicht. Das gilt vor allem, wenn Eltern die Kreditkarte dauerhaft im Profil des Kindes hinterlegt lassen. Der Rückforderungsanspruch aus der schwebenden Unwirksamkeit entfällt allein durch diesen Vorwurf nicht. Der Vorwurf wirkt sich meist auf die Höhe einer Einigung mit dem Anbieter aus.
Vorbeugen mit Sperren, Guthabenkarten und Alterskennzeichen
Auf iPhone und iPad lassen sich In-App-Käufe über die Bildschirmzeit komplett abschalten, im Bereich Beschränkungen unter App-Installationen und Käufe. Ein eigener Bildschirmzeit-Code sorgt dafür, dass Kinder die Einstellung nicht wieder ändern. Über die Familienfreigabe fordert die Option Kaufanfrage für jeden Kauf eine Bestätigung der Eltern an. Google Play bietet mit Family Link eine vergleichbare Kaufgenehmigung, die ebenfalls jeden einzelnen Kauf absichert. Auf Android lassen sich In-App-Käufe nicht vollständig deaktivieren, dort bleibt die Passwortabfrage für jeden einzelnen Kauf das Mittel der Wahl.
| iPhone / iPad | In-App-Käufe über Bildschirmzeit → Beschränkungen komplett abschaltbar. Eigener Code schützt die Einstellung. ✓ voll deaktivierbar |
| Android | Nicht vollständig abschaltbar. Family Link erzwingt Kaufgenehmigung, sonst Passwortabfrage pro Kauf. ⚠ nur absicherbar |
| Alle Systeme | Guthabenkarten statt hinterlegter Kreditkarte: aufgebrauchtes Guthaben = keine weiteren Käufe. ✓ begrenzt den Schaden |
Guthabenkarten begrenzen den Schaden, weil im Konto kein dauerhaftes Zahlungsmittel liegt und ein aufgebrauchtes Guthaben keine weiteren Käufe zulässt. Die USK weist In-Game-Käufe als Zusatzangabe unter dem Alterskennzeichen aus. Die Altersfreigabe selbst verschiebt sich dadurch nicht. Über das IARC-System vergab die USK 2025 Kennzeichen für rund 1,3 Millionen Online-Spiele. Roblox stieg 2025 auf eine Freigabe ab 16 Jahren. PEGI bewertet Titel mit Lootboxen ab Juni 2026 ebenfalls ab 16 Jahren. Auch der Bundesrat wurde tätig und beschloss am 21. November 2025 eine Entschließung, die strengere Vorgaben für Lootboxen fordert. Ob solche Kisten Glücksspiel darstellen, bleibt rechtlich umstritten.
Fazit zur Rechtslage bei In-Game-Käufen von Kindern




