Deutsch-Russisches Themenjahr für Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung 2020-2022

Deutsch-Russisches Themenjahr für Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung 2020-2022

Deutschland und Russland richten von 2020 bis 2022 ein deutsch-russisches Themenjahr für Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung aus. Am 11. Dezember 2020 wurde das Vorhaben in einer virtuellen Sitzung offiziell gestartet. Bundesaußenminister Heiko Maas und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow begleiteten den Auftakt mit Grußworten. Die Corona-Pandemie zwingt die Organisatoren zu einem rein digitalen Format. Beide Regierungen verbinden mit dem Projekt die Hoffnung auf eine neue Dynamik in den zuletzt angespannten Beziehungen.

Die Idee stammt von den Außenministerien in Berlin und Moskau, die das Themenjahr gemeinsam initiiert haben. Auf deutscher Seite übernimmt der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft die Durchführung als Koordinator. Eine eigene Online-Plattform bündelt Termine, Projekte und Ansprechpartner für interessierte Unternehmen und Institutionen. Geplant sind Konferenzen, Wettbewerbe und Netzwerkformate, die über zwei Jahre hinweg in beiden Ländern stattfinden sollen. Nach mehreren Jahren politischer Abkühlung soll das Programm verlorenes Vertrauen Stück für Stück zurückbringen.

Virtueller Auftakt mit prominenten Namen

Die virtuelle Gründungssitzung am 11. Dezember 2020 verband gleich zwei Neuigkeiten miteinander. Neben dem Start des Themenjahres wurde auch ein Deutsch-Russischer Unternehmerrat aus der Taufe gehoben. Der russische Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow und der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Oliver Hermes eröffneten die Veranstaltung gemeinsam. Grußworte der beiden Außenminister unterstrichen die politische Bedeutung des Termins für Berlin und Moskau. Das neue Gremium versammelt hochrangige Vertreter großer Unternehmen und Verbände aus beiden Ländern an einem Tisch.

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Den Vorsitz des neuen Rates teilen sich auf deutscher Seite Oliver Hermes und der AHK-Präsident Rainer Seele. Auf russischer Seite führt Wirtschaftsminister Reschetnikow das Gremium an. Der Unternehmerrat soll den direkten Austausch zwischen Wirtschaft und Politik beider Länder fördern und dem Themenjahr zusätzliches Gewicht verleihen. Ein persönliches Treffen der Beteiligten war wegen der Pandemie nicht möglich, der komplette Auftakt lief über Bildschirme. Beobachter werten die doppelte Gründung als Zeichen, dass der Gesprächsfaden trotz schwieriger Großwetterlage weiterlaufen soll.

Ziele des Themenjahres bis Ende 2022

Im Mittelpunkt steht das Ziel, erfolgreiche deutsch-russische Projekte bekannter zu machen und neue Partnerschaften anzustoßen. Die Initiatoren wollen Leuchtturmvorhaben identifizieren, die als Meilensteine der Zusammenarbeit beider Länder gelten können. Bestehende Netzwerke zwischen Unternehmen, Verbänden und Institutionen sollen enger geknüpft und um frische Kontakte erweitert werden. Das Themenjahr richtet sich ausdrücklich auch an mittelständische Betriebe und kleinere Einrichtungen. Über die Plattform im Internet können sich Interessierte laufend über anstehende Veranstaltungen informieren.

Ein Wettbewerb bildet das Herzstück des Programms. Unternehmen und Organisationen aus beiden Ländern können dort gemeinsame Vorhaben einreichen und der Öffentlichkeit vorstellen. Die ausgewählten Projekte erhalten Ende 2021 auf einem großen Themenjahr-Forum in Moskau eine Bühne. Für den Herbst 2022 ist eine Abschlussveranstaltung geplant, bei der herausragende Kooperationen ausgezeichnet werden sollen. Mit diesem Fahrplan wollen die Organisatoren über zwei Jahre hinweg kontinuierlich öffentliche Aufmerksamkeit für die bilaterale wirtschaftliche Zusammenarbeit erzeugen.

Schwerpunkte von Wasserstoff bis Digitalisierung

Inhaltlich setzt das neue Themenjahr klare Akzente auf Energie- und Klimafragen. Erneuerbare Energien und Wasserstoff gelten dabei als Zukunftsfelder, in denen beide Länder enger kooperieren wollen. Umwelttechnologien, moderne Abfallwirtschaft und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft stehen ebenfalls weit oben auf der Agenda. Russland verfügt über enorme Ressourcen, Deutschland bringt technologisches Know-how und Erfahrung beim Umbau des eigenen Energiesystems mit. Aus dieser Kombination sollen Pilotprojekte entstehen, die den Klimaschutz in beiden Ländern voranbringen.

Schwerpunkte von Wasserstoff bis Digitalisierung

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung und der Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen. Gerade der Mittelstand soll leichter Zugang zu Partnern und Projekten auf dem russischen Markt finden. Daneben greift das Programm Themen wie Innovation, Landwirtschaft, Verkehr, Tourismus, Bildung und Wissenschaft auf. Die große Bandbreite zeigt den Anspruch, möglichst viele Branchen und Akteure in den Austausch einzubinden. Den Auftakt begleiten erste Online-Konferenzen, unter anderem zur Lage der russischen Digitalwirtschaft in Zeiten der Pandemie.

Themenjahre haben seit 2014 Tradition

Ein deutsch-russisches Themenjahr gab es schon mehrfach, das neue Format knüpft bewusst an diese Vorgänger an. Seit 2014 organisieren Deutschland und Russland regelmäßig gemeinsame Themenjahre, um den Austausch zwischen den Gesellschaften lebendig zu halten. Den Anfang machte ein Jahr der deutschen und russischen Sprache und Literatur. Später widmeten sich weitere Ausgaben dem Jugendaustausch sowie den kommunalen und regionalen Partnerschaften. Zuletzt stand von 2018 bis 2020 die Zusammenarbeit von Hochschulen und Wissenschaft beider Länder im Mittelpunkt des Programms.

Getragen werden die Aktionsjahre jeweils von den Außenministerien beider Staaten. Die Formate haben sich als verlässliche Brücke bewährt, gerade wenn die politische Ebene schwierige Phasen durchläuft. Schulen, Hochschulen, Kommunen und Verbände nutzten die vergangenen Jahre für zahlreiche gemeinsame Veranstaltungen und Begegnungen. Mit dem Schwenk zur Wirtschaft rückt nun erstmals die unternehmerische Zusammenarbeit in den Rang eines eigenen Themenjahres. Die Erwartungen an das neue Kapitel sind deshalb auf beiden Seiten hoch.

Enge Wirtschaftsbeziehungen trotz politischer Spannungen

Die wirtschaftliche Verbindung zwischen Deutschland und Russland hat eine lange Geschichte und gilt als belastbar. Deutsche Maschinenbauer, Autohersteller und Chemieunternehmen sind seit Jahrzehnten auf dem russischen Markt präsent. Umgekehrt zählt Russland zu den wichtigsten Energielieferanten für die Bundesrepublik. Sanktionen und politische Konflikte haben den Handel seit 2014 spürbar gebremst, viele Firmen halten dennoch an ihrem Engagement fest. Die Pandemie setzt dem Warenaustausch zwischen beiden Ländern im Jahr 2020 zusätzlich deutlich zu.

Enge Wirtschaftsbeziehungen trotz politischer Spannungen

Mehr als 4.200 deutsche Unternehmen sind nach Angaben des Ost-Ausschusses derzeit in Russland tätig. Deutschland behauptet sich zugleich hinter China als zweitwichtigster Handelspartner der Russischen Föderation. Vom Themenjahr erhoffen sich beide Seiten neuen Schwung für Investitionen und gemeinsame Zukunftsprojekte. Gerade Felder wie Wasserstoff oder moderne Umwelttechnik könnten den bilateralen Handel um neue, zukunftsfähige Produkte erweitern. Ob der ambitionierte Plan aufgeht, dürfte sich spätestens bis zur Abschlussveranstaltung im Herbst 2022 zeigen.

Fazit zum Deutsch-Russischen Themenjahr

Fazit zum Deutsch-Russischen ThemenjahrMit dem Themenjahr für Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung setzen Deutschland und Russland in politisch rauen Zeiten ein bewusstes Zeichen der Verständigung. Die Mischung aus Wettbewerb, Konferenzen und neu geschaffenen Gremien bietet Unternehmen und Verbänden beider Länder konkrete Anknüpfungspunkte. Themen wie Wasserstoff, Klimaschutz und Digitalisierung besitzen dabei genug Substanz, um über Symbolik hinauszuwachsen. Bis zum Abschluss im Herbst 2022 bleibt nun viel Zeit, um aus guten Absichten belastbare Projekte zu machen.